004
Die Situation hat sich eigenartigerweise verändert. Es erinnert ihn an ein
Bild, jedoch kann er es nicht zuordnen, aus welchen Gründen dies genau jetzt auftritt. Die beiden stehen noch entfernt im Wasser. Doch ringsherum
haben sich Sandberge angehäuft. Das Grün ist verschwunden und Kahlheit ist an dessen Stelle getreten. Am Himmel verändert sich die
Konsistenz. Ein Streifen deutet etwas an. Das Kreisen des rechten Zeigefingers wird nicht ausreichen, um diese Gewalt zu stoppen. Es ist ein Meteorit.
Dieser tritt mit einem unglaublichen Getöse und einem strahlenden Lichtkegel in die Atmosphäre ein. Er steuert in die Nähe des Sees.
Vermutlich wird er unmittelbar hier einschlagen. Doch bei dieser Größe sollte nicht nur der nähere Bereich um ihn herum, sondern weit
größere Teile der Landmasse ausgelöscht werden. Wenn nicht sogar die ganze Welt. Das bedeutet also, dass sich das Ende mit diesem
Meteoriten anbahnt. Neben der Aussichtslosigkeit entwickelt sich Zusehens eine Faszination des Unvermeidlichen. Diese Ästhetik. Das Leuchten und
Funkeln. Diese bedrohlich schwarzen Aschewolken im Schweif des Gesteinsbrockens.
Es ist besser die Tür zu schließen, sagt das Mädchen. Sein Opa stimmt ihr zu. Der Einschlag
könnte stark werden. Er fragt sich, wie diese einfache Tür, ja, wie das ganze Haus dem Einschlag standhalten könnte, aber schließt
trotzdessen die Tür. Sein Opa nickt bestätigend. Alle warten in den Himmel blickend. Vermutlich ist das der Mond. Der Mond fällt auf die
Erde herab. Warum lächelt das Mädchen dabei. Welchen Plan verfolgt sie. Vermutlich ist sie die Ursache. Wo ist der zweite Badegast. Er
verstrickt sich in Gedanken. Ist die Blume gerade genug. Wenn sie gegossen wurde und das sollte genau vor etwa einem Tag gewesen sein, dann könnte
es möglich sein. Im zweiten Blumentopf steht zur Not noch eine Blume. Möglicherweise ist diese auch vor einem Tag gegossen worden. Die Karten
trägt er noch bei sich. Jedoch versteht er nicht, wo sich diese genau an ihm befinden. Vielleicht hat er sie verloren in der Hektik des Meteoriten,
der sich nun wahrhaftig als Mond zu entpuppen scheint. Wenn es der Mond ist, der auf die Erde stürzt, dann könnte es sich nicht um das Ende
handeln, sondern um ein Wandel. Das Licht nimmt einen seltsamen milchigen Ton an. Wie sie diese Situation interpretiere. Keine Antwort. Hat sie ihn nicht
gehört? Sicherheitshalber wiederholt er die Aussage, obwohl er genau weiß, dass sie es beim ersten Mal gehört haben muss. Keine Reaktion.
Die Karten sollten helfen. Sein Freund scheint sie wieder zu haben. Er steht um die Ecke und unterhält sich mit seinem Opa. Wie können sie
jetzt so frei reden, wo im nächsten Augenblick alles zusammenbricht. Sein Freund lächelt frei und glücklich. Sein Opa nickt
bestätigend. Er schüttelt den Kopf. Offenbar begreifen sie die Situation nicht vollends, in der sich alle befinden. Der Mond befindet sich
jetzt direkt über ihnen. Die Luft wird breiig und der milchige Tone wird gelblich. Es ist jetzt unheimlich schwer Bewegungen zu vollziehen. Er
streckt die Hand nach den beiden Redenden aus und verzerrt seinen Mund. Er bekommt keinen Ton heraus. Beide lachen. Bemerken ihn wohl nicht. Die Tür
ist geschlossen.
Abschießen müsste man den Mond, meint das
Mädchen. Es wäre die einzige Möglichkeit. Er pflückt die Blume und schleudert sie in die Luft, doch sie fällt wieder herab. Mit
Konzentration sollte dies gelingen. Er wirft sie erneut und es scheint, als würde sie für einen Moment in der Luft am Wendepunkt schweben
bleiben. Er drückt sie mittels Gedanken nach oben. Das fällt jedoch schwer und gelingt äußerst unbefriedigend. Mehr drücken,
sagt sie. Sie überreicht ihm eine blaue, durchsichtige Pistole. Er nimmt sie ohne zu fragen an sich und richtet sie auf den Mond. Er drückt ab.
Ein gelartiger, schleimiger Strahl tritt hervor und reicht bis etwa fünfzig Meter in die Höhe und fällt dann wieder ab. Er schießt
erneut. Diesmal reicht es schon weiter, aber nicht bis zum Mond. Verzweifelt wendet er sich an das Mädchen. Er beschließt nochmals direkt nach
Hilfe zu fragen und ist der Überzeugung, dass sie jetzt antworten müsste. Aber sie ist weg. Genauso wie die schwebende Blume. Aber die Pistole
hält er noch in der Hand. Eine Meise fliegt vorüber. Sie zwitschert. Das erregt seine Aufmerksamkeit. Er blickt in den blauen, wolkenlosen
Himmel. Der Mond ist weg.
Die Tür steht offen. Er muss sie schleunigst
verschließen. Erbeurteilt das Risiko als zu groß. Aus dem Spalt zwischen Tür und Haus ragt Schwärze hervor. Durch Schließen
der Tür und verriegeln des Schlosses sollte das behoben werden.
|
|
|