006
Draußen sieht
er den Teich. Sanft gleitet er im fahlen Licht durch das Zimmer. Am Esstisch und den Stühlen mit den roten Polstern vorbei. An der Schrankwand
entlang. An der Decke schwirren die Schiffchen. Vorbei an den Sesseln erreicht er das Sofa. Er legt sich zu Boden. Auf den schwarz gemusterten
dunkelbraunen Teppich. Unter dem Sofa ist es schwarz. Er sieht es. Greift etwa zehn Zentimeter darunter und zieht den Arm relativ schnell wieder weg. Das
Sofabein ist kurz. Er streckt jetzt seinen Körper vollends aus und liegt flach auf den Boden. Schmiegt sich eng an ihn. Er sieht sie liegen. Weit
unter dem Sofa. Er wird so nicht ran kommen. Seine Arme sind zu kurz. Sanft bewegt er sich hin und her. Es ist angenehm. Er schiebt den Scheuerlappen bei
Seite. Er ist schmutzig. Kalt und feucht. Das ist äußerst unangenehm. Mit der linken Hand berührt er diesen und schiebt ihn auf eine
freie Stelle des Linoleumbodens. Der erst flach ausgebreitete Scheuerlappen ist jetzt zusammengeknüllt. So wird er schlecht trocknen können.
Wird kalt und feucht bleiben. Grau wie ein Klumpen in der Ecke.
Was er da
anstelle? Warum er so seltsame auf dem Boden läge? Er suche die Pflaume. Die ist unters Sofa gefallen. Aber er komme schlecht ran. Sein Opa schaut
misstrauisch. Ungläubig. Als ahnte er es. Jemand scheint ihm davon berichtet zu haben. Vermutlich hat er den Befehl zu überprüfen, ob er
es vollzieht. Jedoch ist es dem Opa seinerseits unangenehm. Denn er wirkt ein wenig verunsichert. Der Besenstiel solle reichen und die nötige Hilfe
gewährleisten um die Pflaume unter dem Sofa hervorzuholen. Er blickt zum Fenster. Das fahle Licht blendet ihn. Vielmehr erzeugt es Nebel. Er sieht
seinen Opa nicht mehr. Offenbar hat der das Zimmer verlassen. Er ruft fragend. Keine Antwort. Es ist eine Stunde später. Er bemerkt es an dem Licht.
Es ist kühler geworden. Es wird Abend. Er möchte sich aufrichten. Es geht nicht. Es ist zu schwer. Er kann sich nicht lösen. Er setzt die
angenehmen Bewegungen fort. Hin du Her. Ganz weich und bedacht. Zurückhaltend und vorsichtig. Der dunkle Bereich unter dem Sofa beunruhigt ihn. Er
pocht drei Mal auf das Holz des kleinen Sofabeins. Es ist das einzige Holz in der Nähe. Der Scheuerlappen liegt ausreichend entfernt. Er ist keine
Bedrohung. Trotzdessen verspürt er die feuchte Aura. Er setzt fort. Er nähert sich. Jetzt sieht er die Pflaume. Sie ist alt und weich.
Aufgequollen und gärt. Er sieht kurz Sterne. Lichtblitze. Jemand hat die Gardinen verdichtet. Er berührt sie. Die feuchte Pflaume muss er
dringend entsorgen. Sie ist Beweis und Verrat. Er schiebt die Gardine bei Seite. Öffnet das Fenster. Streift quälend und beschwerlich die
Pflaume am Fensterbrett ab. Es geht schwer. Spuren sind zu erkennen.
Das
Licht wird fahler. Grautöne setzen ein und lösen mehr und mehr die Farben ab. Er sitzt im linken Sessel. Der Sessel, der weiter weg von der
Schrankwand steht. Dafür ist er näher an den Schiffchen. Diese bewegen sich jetzt aber nicht mehr. Der Raum bewegt sich nicht mehr. Das Licht
ist stehen geblieben. Bleiern ist sein Geist und schwer sein Körper. Er kann sich nicht aufrichten. Sieht die Schwaden der Schwere im Raum. Er
weiß es. Es beginnt gleich. Es wird nicht lange dauern. Hoffentlich. Meistens geht es nur ein paar Minuten. Doch in letzter Zeit erreicht es immer
öfter Längen von bis zu dreißig Minuten. Er beginnt jetzt die Vierecke zu schmecken. Dunkelrot sind sie. Bald werden sie zu Quadern
geworden sein. Dann passen sie schlechter zwischen die Zähne. Weil sie dreidimensional sind und größer. Er muss den Mund offen lassen.
Halboffen. Er wird trocken. Seine Finger sind jetzt angeschwollen. Er registriert die Kugeln in der Handfläche. Er beißt auf Knete. Der Quader
erreicht den Schlund. Die Zeit ist jetzt stehen geblieben. Der graue Schleier hat das Zimmer völlig eingehüllt. Die Luft wird plastisch. Der
Quader rutscht in die Speiseröhre. Brechreiz. Husten. Gewürge. Sein Unterkiefer vergrößert sich an den Flanken. Seine Zunge schwillt
an. Füllt nahezu die gesamte Mundhöhle aus. Jetzt vernimmt er das dumpfe Dröhnen. Es umschließt seinen Kopf als Haube. Dringt in die
Ohren. Steigert sich. Verdichtet sich zu einem drückenden Rauschen. Es fiebt. Seine Ohren sind prall gefüllt mit Blut. Er kann rechnen. Der
Zustand ist im finalen Stadium. Er erkennt die Zusammenhänge.
Die Luft
ist stehen geblieben. Der Raum zeitlos statisch. Er löst sich ab jetzt langsam auf. Kleine Pünktchen von warmer, gelber Farbe brechen durch.
Sie strahlen so warm. Er fühlt sich geborgen. Zitternd kann er die Hand strecken.
Im Glashaus ist jetzt auch der Stier gemäß den Erwartungen eingetroffen. Er hat nur leichte Verletzungen. Diese sollten kein
großes Hindernis darstellen und relativ schnell verheilt sein. Vermutlich wurde er vom Schwert nur gestreift, denn Kubisch wollte sicher den Stier
nicht töten. Vielmehr hat sie ihn gedemütigt. Zumindest wird sie das denken. Sie befinden sich auf der zweiten Etage. Links und rechts von
ihnen sind zwei Glastüren. Hinter ihnen ein großes quaderförmiges Gebäude. Vor Ihnen eine große Glaswand. Sie können
durch diese weit auf ein im Horizont versinkendes Feld blicken. Auf dem Feld wachsen viele Unkräuter. Es wird nicht mehr kultiviert. Irgendwann
werden sie auch hier eintreffen. Aber dann sollten die anderen da sein. Es wird sich in jenem Augenblick dann entscheiden, ob es im Kampf enden wird oder
eine Zusammenkunft entsteht. Der Stier geht seinen Studien nach. Der Bock auf dem Stein verlässt den Gang durch die rechte Tür in Richtung
seines Raumes. Er wird für sich allein sein wollen. Er bleibt zurück. Auf dem Gang. Der erscheint wie eine Brücke über einem tiefen
Tal. Er blickt durch die große Glaswand vor ihm. Auf das Feld.
Er
verlässt das Zimmer. Die hellbraune Schiebetür schließt er. Er geht einen kleinen Flur entlang. Öffnet eine andere Tür in der
Wand. Es ist erst nicht feststellbar, dass dort überhaupt eine Tür ist. Das wird erst deutlich, wenn man diese öffnet. Folglich muss man
deren Position kennen. Sonst kann man diese Tür nicht öffnen. Es geht um das Werkzeug. Vorrangig den Hammer. Der Hammer und bei Notwendigkeit
auch andere Elemente sollen im Wasser versinken. Das Wasser ist hinter dem Raum. Draußen. Die dritte Tür müsste der Weg sein.
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