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K U L T !

" Tempo 30 oder 'Ereignislos' "
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von Wbs_70,

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Bohren und der Club of Gore

" Tempo 30 oder 'Ereignislos' "

"...harte Kost, oder?, ...ja, aber sehr geil!" ..höre ich meine Sitznachbarn sagen als der Saal aus der vollkommenen Dunkelheit wieder langsam auftaucht.

Ich blicke auf und sehe in "entleerte" Gesichter, Menschen die mit ihren Gedanken so wie ich ganz weit fort sind, in ihrer Vergangenheit umherschwirren, den Bass ganz tief in sich einsaugen. Niemand mag so recht den Saal verlassen wollen, es ist irgendwie so, wie nach einem guten Kinofilm, Du bleibst noch sitzen um das gerade eben gesehene erstmal zu verdauen weil es dich einfach zu sehr mitgerissen hat.

So war es auch bei "Bohren und der Club of Gore" . Meinen ersten Kontakt mit dem Club hatte ich vor ca. 2 Jahren als ein guter Freund von mir die "Black Earth" (Wonder) CD auflegte. Noch nie zuvor gehörte Klänge der langatmigsten Sorte nahmen mich sofort in ihren Bann und begleiteten mich seither in dunklen Novembertagen von Tagtraum zu Nachttraum und weiter.

Seit dem sind ein paar Jahre vergangen und die neue Scheibe von Bohren namens "Geisterfaust" (Wonder) ist erschienen. Wie auch letztes Jahr besuchten der Club of Gore die heimischen Gefilde und somit ein Pflichttermin an diesem Abend. Zeitig tränkten sich die Besucher in die Scheune und um den Saal herum, denn die Türen waren abgeschlossen und die Vorband spielte auf dem Gang neben der Bar. Hier ertönte ein Mix aus starken Klangcollagen untersetzt mit einer e-Klarinette und Gitarrensamples. Immer wieder bekam man die volle Dröhnung "Tinnitussound" um die Ohren gehauen, da die mit Effekten versehenten Klarrinettensounds sehr stark im hochfrequenten Bereich umherschossen.

Dann endlich öffneten sich die Türen und die Menge stürmte in den mit Stuhlreihen ausgestatteten Saal. Ich muss zugeben das es mein erstes Konzert in der Scheune war, was ich kommplett im Sitzen genoß und von daher mich am Anfang etwas unwohl fühlte, was aber bald der Erleichterung wich, denn so konnte man sich völlig der Musik hingeben und in seine eigene "Welt abtauchen".

Der Sall und die Bühne waren komplett im Dunkeln gehalten und nur die Musiker wurden durch kleine Leuchten über ihren Mikrofonständern erhellt. Sehr schön anzuschauen waren auch die 2 "Geisterfäuste" links und rechts neben der Bühne, welche ab und zu zum Bass erhellt wurden. Den Anfang machte ein etwa 20-minütiges "Klangexperiment" welches mit 2 doomigen Bässen und äußerst spärlich eingesetzten Rhodes-Sounds verfeinert wurde. Immer wieder sehr imposant waren die 2 massiven Bass Sounds welche einen immer ordentlich in den Stuhl zurück drückten.

Es folgten nun 7 weitere Stücke welche allesammt am Rande des Machbaren lagen was die Geschwindigkeit anbelangte. Ich wußte ja dass es ein "langsames" Konzert werden würde,aber das war ja nun der totale Stillstand, "Sterben im Stehen" man sah förmlich den Sensemann am Bühnenrand umherschwirren und nie mehr als 30 bpm waren normal.

So langsam glitt auch ich in meine eigene von Stillstand dominierte Traumwelt hinab und kam nur in den Pausen zu den kleinen amüsanten Ansprachen des Saxophonisten wieder hervor. 

"...diese Lied ist sehr ereignisarm, es ist noch ereignisärmer als die Lieder davor und diese waren schon recht ereignislos".

Nach 2 Zugaben, verließen Bohren die Bühne und uns in die Kälte der Nacht. "Wie kleine Autos, welche auf der Autobahn mitTempo 30 fahren" machte man sich auf den Heimweg und war um ein "erignisarmes" aber hammerschönes Konzert reicher. 

"...immer schön fröhlich bleiben!"

Wbs_70


   
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