Transsibirische Burlesken L Nach Oxford zum Elitegaffen - Ein unzoologischer Aufsatz Mai 2006 Städtereisen im Halbschlaf sind eine empfehlenswerte Unternehmung. Das kann ich aus persönlicher Erfahrung heraus behaupten. Es ist noch nicht so lange her, da paarte sich hormonell bedingte Übernächtigung mit wilder Unternehmungslust und geißelte mich in einen Linienbus nach Oxford. Eineinhalb Stunden später stolperte ich aus ihm heraus hinein in die prestigelastige Universitätsstadt. Studenten konnte ich leider keine sehen, dafür aber umso mehr Menschen, die sich Fotoapparat oder Videokamera vor’s Gesicht hielten. Ein Hobbyfotographentreffen in Oxford? Nein, es waren nur Touristen, wie ich. Allerdings lag mein Focus nicht auf dem mich umgebenden Gemäuer, sondern war auf der Suche nach echten Oxfordstudenten. Auf welchem College gibt es die Potentesten und Gutaussehendsten unter ihnen? Diese Frage kokelte mir auf dem Nagelbett und ich betrat die Touristen Information. Jedoch waren die Damen mit ihren gestrafften Gesichtern hinterm Tresen ausschließlich damit beschäftigt, ihren nicht mehr ganz so jugendlichen Gegenübern Hotelzimmer zu vermitteln. Nur um Missverständnisse zu vermeiden, nicht nur die gestrafften Gesichter befanden sich hinter dem Tresen, sondern auch deren Besitzerinnen, die Infodamen. Sonst wäre das ja auch ’ne surreale Angelegenheit gewesen, wenn nur die Gesichter frei hinter dem Tresen gebaumelt hätten und die Damen hätten ganz woanders gestanden. Nach einigen Minuten vergebenen Wartens und intensiven Starrens auf den Hautüberzug des Tresenpersonals krampfte sich dieses überteuert angebotene Stadtplanfaltblättchen in meine Hand und begab sich mit mir auf den Weg nach draußen. Ich möchte hier wirklich keinen Diebstahl propagieren, aber es gibt Situationen, in denen das Aneignen fremden Besitzes erlaubt ist. Stadtplanfaltblättchen mit Werbung ortsansässiger Gewerbetreibender müssen kostenlos sein. Das ist doch klar. Wenn also eines ohne Gegenleistung entwendet wird, ist das legitim. Da braucht man gar nicht rebellisch tun. Mit dem Stadtplanfaltblättchen in der Hand setzte ich mich sodann auf eine Bank, schlug es auf und studierte. So leicht ist das also, in Oxford zu studieren. Einfach einen Stadtplan aus der Touristeninfo klauen, hinsetzten und los geht’s. Ein Mörtelbrett hatte ich zwar noch nicht bekommen, aber mein bisheriges Allerweltswissen, dass der Name Oxford unweigerlich mit Privileg und bessergestellten jungen Männern verbunden wird, konnte ich nun mit ein paar empirischen Studien vor Ort überprüfen. „Ein Mörtelbrett?“ werden sich jetzt vielleicht einige unter Ihnen fragen und die Stirn in Falten legen, sofern sie noch keiner Straffung unterzogen wurde und des In-Falten-Legens mächtig ist - ansonsten würde sie womöglich platzen. Kein Problem, auch ohne plastischer Chirurgie bügele ich ihre Falten mit meinem signifikanten Regionalwissen weg. Mörtelbrett, auf englisch mortar board, ist ein Kosename für den Doktorhut. Herrjeh, jetzt habe ich die Katze aber recht flott aus dem Sack gelassen ohne rechten Trommelwirbel und „Licht aus“ und so. Nun ja, sowas kann jungen Dichterinnen schon mal passieren. Ich gelobe Besserung. Auf meinem dem Stadtplanstudium folgenden Streifzug bummelte ich durch efeubewachsene Gassen ins Magdalen College. Statt der erhofften, in die Höhe geworfenen Mörtelbretter erblickte ich auf den zum College gehörenden Wiesen eine Rehherde. Laut Informationstafel hatte diese schon 300 Jahre auf ihrem kollektiven Buckel, hatte sich dafür aber erstaunlich gut auf den dünnen Beinen gehalten. Dicker, interessanter und 159 Jahre jünger war der Riesenmammutbaum, den ich neben Kanälen mit allerlei Wassergetier und Entengeschnatter fand. Neun große Schritte brauchte ich, um den Vertreter aus der Familie der Zypressengewächse zu umrunden. Seine Rinde war pelzig und hatte tiefe Risse, sodass sich einjeder in der kalten Jahreszeit seine Hände in ihr aufwärmen kann. Sich gegenseitig die Hände zu wärmen ist natürlich noch viel schöner, aber wenn man gerade niemanden zum Aufwärmen dabei hat, ist der Rindenmantel des Baumriesen willkommener Kälteschutz. Aufgewärmt schlendert man dann zum Mulled wine ins nächste Pub. Das ist das gediegene Leben! Meinem leichten Hang zur Theatralik folgend umschlang ich den Mammutbaum und verharrte in dieser Position. Herrlich! So muss sich Klaus Kinski bei seinen Streifzügen durch den peruanischen Dschungel während der Drehpausen von „Fitzcarraldo“ gefühlt haben. Hätte er sprechen können, hätte „mein Baum“ bestimmt so etwas wie: „Na, schon wieder so ein hormonell gebeuteltes Krabbeltier, das im Schutze meiner Krone Ruhe sucht.“ gemurmelt und „Ach, lass es sie mal finden. Habe ich doch der Krabbeltiere vieler schon Ruhe gespendet.“ Ja, so gelassen sind sie, die Riesen im Rindenmantel. Ich löste meine Umarmung und schlenderte zum Christ Church College, um dort klischeeversessen beim Fünfuhrtee nach Studenten Ausschau zu halten. Im Christ Church College hatte Mathematikprofessor Charles Lutwidge Dodgson alias Lewis Carroll der Tochter des Dekans ein Märchen geschrieben. Nun ja, schwer fiel es nicht, sich vorzustellen, dass es in Oxford immer fünf Uhr ist, obwohl es ja eigentlich sechs Uhr war. Ja, in der Originalausgabe „Alice's Adventures in Wonderland“ findet der Fünfuhrtee um sechs Uhr statt und das, obwohl Greenwich Mean Time eine Stunde hinter Mitteleuropäischer Zeit liegt. Verwirrend. Die Gesetze der Zeit, die uns Sterblichen von außerhalb wie ein Schandapfel anhaften, sind in Oxford eben außer Kraft gesetzt. Fragen Sie mich jetzt nicht, was ein Schandapfel ist, sondern nutzen Sie ihre eigene Vorstellungskraft! Ich sage nur „SCHANDAPFEL! SCHANDAPFEL!!“ (unheilverkündender Wind, im Hintergrund Wolfsgeheul) Die Bedienung im Café rollte mit den Augen, wahrscheinlich weil sie aufgrund meiner legeren Kleidung zu Recht keine großen Trinkgelder von mir erwartete. Die Elitestudenten hielten sich immer noch im Verborgenen und ich fand, es war Zeit für mich zu gehen. Nur Idyll wuchert in Gassen, Mammutbäume, Kopfsteinstraßen Schlupflider in Stein gemeißelt. Mescalin die Metze geißelt. Efeu rankt sich auf Gemäuer, stets fünf Uhr, alles zu teuer. Hutmacher und Haselmaus. Ich muß geh’n. Tschüß, tschaui, tschauß!! Dann fahre ich eben nach Cambridge. Dort sollen die Studenten angeblich williger sein. (Zu diesem Beitrag gehören noch 3 hervorragende Bilder. Es gelang mir allerdings noch nicht, diese zu laden. Ich werde es wieder versuchen. Versprochen.) |
von: Wbs_70 04-09-2007
Ich glaub'Kinski war ein Feigling und fürchtete sich vor der NAtur und dem Urwald. nur so weit als nötig ging er in ihn hinein und dann spielte er sich als Naturbursche en masse auf, aber sobald ne große Spinne im Haus war bekamer PAnik.
nichts desto Trotz liebe ich Kinski.