Ich
glaube, ich kämpfe nur noch aus Gewohnheit. Ich glaube nicht mehr, dass es
besser wird. Trotzdem mache ich weiter, bemühe mich, mir helfen zu lassen. Sie
sagen, ich werde nicht gesund werden. Ich solle mir kleine Ziele setzten, mich
nicht aufgeben usw. Es hat noch nie geholfen und es wird nicht helfen, auch
dieses Mal nicht. Ich weiß nicht, warum, ich mache es eben einfach. Zu
verlieren habe ich nicht viel, aber gewinnen werde ich auch nicht. Ich habe
kein Ziel. Es gibt kein nach vorn und das Zurück habe ich auch verloren. Ein
Jetzt gab es noch nie. In welcher Zeit also lebe ich?
Sterben
will ich nicht, auch wenn mir das keiner glaubt. Ich will leben (und das war
schon immer so), nur nicht mein Leben. Obwohl ich nicht daran glaube, habe ich
noch immer Hoffnung. Ich weiß noch, dass ich diese Hoffnung früher verflucht
habe. Sie hat mein Leben schwerer gemacht. Genaugenommen hat sie mir das
Sterben unmöglich gemacht. Heute spielt das keine Rolle mehr. Ich stehe jeden
Tag auf. Ich bin pflichtbewusst, pünktlich, folgsam, zuverlässig... aber wenn
es wirklich um etwas geht, dann gelingt es nicht. Dann kommt wieder irgendwas,
sie nennen es Rückfall, ich nenne es gar nicht. Es frustriert mich immer noch,
aber ich habe mich daran gewöhnt, soweit man sich eben daran gewöhnen kann. Ich
bin nicht zufrieden, aber traurig bin ich auch nicht (das glaubt mir wieder
keiner). Ich weiß nicht, wie ich mich fühle, das ändert sich ohnehin im
zehn-Minuten-Takt, also warum noch darauf achten? Unterm Strich steh ich wohl
ganz gut da. Zumindest darf ich ein bisschen mehr, als die "normalen"
Leute, man hat Mitleid mit mir, ich darf durchdrehen, scheitern, schreien,
verrückte Dinge tun... das sind Symptome. Mein Leben könnte also schrecklich
einfach sein, wenn nur ich nicht wäre.
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