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Prolog
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von Igel232,

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Ich sehe aus dem kleinen Fenster des Krankenwagens - Die Welt draußen scheint ganz normal zu sein; meine steht Kopf. Ich war Einkaufen, an einem ganz normalen Tag in meinem Leben, das ich inzwischen für ziemlich durchschnittlich hielt. Dann kam sie wieder, die Angst. Sie war einfach da und ich zerbrach wieder an ihr, die ich längst besiegt glaubte. Ich fühlte sie kommen, langsam hat sie sich in mir ausgebreitet, ich dachte, ich würde es schaffen. Ich habe es nicht. Die Welt ist mir entrückt, ich wurde auf diese unerträgliche Weise leicht, haltlos, durchsichtig. In meinem Kopf waren nur zwei Gedanken: >Ich löse mich auf < und >Ich brauche jemanden, der mich vor mir beschützt<. Ich habe mich zum Informationsstand des Bahnhofs geschleppt, dort bin ich zusammengebrochen, habe geweint, konnte nicht sprechen. Ich wurde im Rollstuhl quer durch den Bahnhof zum Erste-Hilfe-Zimmer gebracht. Lange habe ich mich nicht mehr so geschämt, versuchte mein Gesicht hinter meinen Händen zu verbergen und das Zittern, das meinen Körper beherrschte, zu unterdrücken. Sie haben mich vieles gefragt, ich habe nur mit dem Kopf geschüttelt. Dann hörte ich die Sirenen. Der Krankenwagen kam. Sie haben mich reingesetzt, angeschnallt und wir fuhren los. Keiner sprach.

Der Blick aus dem Fenster verwirrt mich noch mehr. Ich glaube, die Menschen auf der Straße können mich sehen. Ich sehe das Krankenhaus und bin erleichtert. Ich glaube mich in Sicherheit. Sie stellen mich auf dem Gang ab, dort warte ich etwa zehn Minuten, stets unter den wachsamen Augen des Sanitäters. >Es tut uns leid, aber für Fälle wie den ihren sind wir leider nicht zuständig<. Zurück in den Krankenwagen. Nach einer kurzen Fahrt kommen wir an - Psychiatrie. Eine Ärztin kommt mir entgegen, freundlich, aber vorsichtig. Ich folge ihr zu einer Glastür, Schlüssel rein, umdrehen, Tür öffnen, durchgehen, wieder verschließen. Da bin ich also, geschlossene Station. Ich habe keine Ahnung, was als nächstes passiert. >Setzen sie sich dort hin und warten sie, ich bin gleich zurück.< Gut, ich setze mich, rauche eine Zigarette und warte. Es erstaunt mich, erneut festzustellen, dass die Zeit in der Psychiatrie soviel langsamer vergeht. Ich erinnere mich an die anderen Klinikaufenthalte und ja, die Zeit vergeht einfach nicht. Es ist still, um dich schleichen andere Irre, keiner lächelt, keiner hat ein Ziel, sie laufen hin und her, rauchen, warten, ticktack, ich seh auf die Uhr, es ist eine Minute vergangen. Nach exakt 24 dieser „Psychiatrie-Minuten“ kommt die Ärztin wieder. Wir gehen in ein kahles Zimmer, sie schließt die Tür. Gespräch. Name, Alter, Beschäftigung, frühere Befunde, >Nehmen sie Medikamente?< usw., nach geschätzten 20 Minuten verlassen wir das Zimmer, ich soll wieder warten. Weg ist sie. Wieder vergehen etwa zwanzig Minuten, dann kommt sie zurück, will, dass ich ein Medikament „zur Beruhigung" nehme (ich habe keine Lust zu reden und nehme es), gibt mir einen Termin für die nächste Woche und auf mein Bitten darf ich gehen. Ich muss nur noch auf S. warten, die mich abholen und ins Krankenhaus bringen soll, für ein paar Kontrolluntersuchungen, wie die Ärztin sagt. Eine weitere halbe Stunde vergeht, dann kommt sie und wir verlassen die Psychiatrie. Die Freiheit riecht anders, wenn man von einer geschlossenen Station kommt. Im Krankenhaus angekommen warten wir etwa drei Stunden, dann darf ich endlich nach hause. Ich bin frei, darüber staune ich.

Zuhause erledige ich ein paar Kleinigkeiten, S. und ich essen gemeinsam, dann gehe ich in mein Zimmer. Tür zu. Stille.

 

Körperlich bin ich erschöpft, völlig erschlagen. Die Medikamente zeigen ihre Wirkung. In meinem Kopf rasen tausend Gedanken. Erst mal muss ich rausfinden, welches Medikament die mir gegeben haben. Ich setze mich an den Computer. Aha, es handelt sich um ein „atypysches Neuroleptikum“ und wird in der Psychiatrie häufig zur Behandlung von „schizophrenen Psychosen“ eingesetzt. Danke. Ich krame das Formular, das sie mir bei der Entlassung gegeben haben, heraus. Befund: „Borderline Persönlichkeitsstörung“ - war ja klar.

 

Meine Gedanken schweifen ab. Ich betrachte meinen Arm, er sieht heute anders aus. Ich schnippe dagegen – nichts. Ich folgere daraus, dass dieser Arm nicht meiner ist, das macht mir Angst. Stell dir vor, du entdeckst an dir ein Körperteil, das nicht zu dir gehört. Natürlich sagt mein Verstand mir, dass das mein Arm ist, aber gegen dieses Gefühl kommt er nicht an. Ich zwicke den Arm. Immer noch nichts. Es kann unmöglich mein Arm sein. Wie spät ist es? 1:16. Wie lange hab ich jetzt hier gesessen und meinen Arm angestarrt? Ich weiß es nicht. Ich war gegen 22:30 zuhause. Essen und das Nötigste erledigen: etwa eine Stunde. Also 23:30, gut vielleicht 23:40, sicher nicht später. Rausfinden, welches Medikament ich intus habe und Befund lesen, höchstens 10 Minuten. Es bleiben 26 Minuten, die ich vermutlich auf meinen Arm gestarrt habe. Meine Rechnung befriedigt mich nicht, ich will es genau wissen. Es macht mir Angst, wenn ich „die Zeit verliere“. Ich glaube, diese Bezeichnung beschreibt meine Situation am besten. Da ist sie, die Panikwelle hat mich erreicht. Ich zittere. Wieder verspüre ich diesen Drang... und er wird stärker. Ticktack. Gut, ich höre die Uhr, ich muss die Zeit im Auge behalten. Ticktack. Es beruhigt mich nicht. Ich gehe auf und ab. Ticktack. Die Sekunden scheinen nicht regelmäßig zu vergehen. Tick......tack, ticktacktick, tick. Ich setze mich in eine Ecke meines Zimmers und schließe die Augen. Es hilft, wenn ich nichts sehen muss.


   
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