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Frühlingsgefühle
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von fremdkoerper,

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Es ist nicht zu übersehen. Zu überhören schon gar nicht. Und wenn man ehrlich ist, spürt man es auch an sich selbst. In sich selbst. So mancher, der das Gras aus räumlicher Nähe schon wachsen hören konnte, hat sich noch mal aufgerafft und wartet bis zum nächsten Winter.

Die Kinder spielen wieder Krieg im Freien- die Konsolenzeit ist vorüber und auch die nächste Frühjahrsoffensive hat ihren Weg von den plantechnischen Spielereien in den Hauptquartieren der größere Kinder nach draußen gefunden. Im Frühling führt sich Krieg nämlich besonders leicht, weil da die männliche Geheimwaffe voll geladen ist. Die gehört zur Grundstrategie jeder Auseinandersetzung.

Natürlich machen sich die wärmeren Temperaturen auch bei der Zivilbevölkerung bemerkbar. Es bilden sich überall Pärchen, manch einer findet sich sogar in einem Quartett wieder und wieder andere haben den schwarzen Peter. Wobei Name und Hautfarbe keine Rolle spielen, gerade bei den Namen bekommt so mancher große Aktivist Probleme. Naja, wie auch immer- eins ist überall gleich: Die Lippen werden feuchter und die Schwänze größer, aber unter den aggressiven Zivilisten wird mehr mit Erlaubnis als mit Befehl oder aber unter dem Einsatz größerer Alkoholmengen geschossen. So mancher Treffer wird vielleicht später einmal belohnt werden und einige veranstalten ein regelrechtes Zielschießen. Allgemein wird das Leben aktiver, selbstverständlich auch das Überleben, nur das Ableben konzentriert sich auf andere, weil mit längeren Tagen die Selbstmordgedanken weniger werden, was aber zum Glück durch mehr Mordgedanken ausgeglichen wird.

Natürlich treibt der Frühling neben gelben, roten, blauen und weißen auch seltsame Blüten. Das Frühlingsfest der Volksmusik zum Beispiel. Dort verkünden gebleichte Zahnreihen zu unkomplizierten Rhythmen die pure Lebensfreude, auf die vor allem diejenigen abfahren, deren persönlicher Frühling schon weit hinter ihnen liegt. Nach einem solch rauschenden Fest voller Liebesbekundungen werden sich die ihrer Fassade bewussten Eisblumen ordentlich begießen oder sich gegenseitig die Blätter, wahlweise auch die Haare ausreißen.

Jetzt wird sicher jeder denken, ich sei ein Frühlingshasser. Vielleicht macht mich diese Reizüberflutung durch die grüne Hoffnungsfarbe in sämtlichen Abstufungen auch depressiv. Weil jede Form von Hoffnung Heuchelei ist. Ob die Natur eigentlich weiß, dass der nächste Winter sicher kommt? Aber eigentlich brauchen wir sie doch alle, diese geheuchelte Hoffnung. Die Sonne und den blauen Himmel, die Blumen, das Vogelzwitschern und den kleinen Käfer im Haar. Denke ich und wichse ins grüne Gras.


   
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