MARIN SORESCU
Und siehe, die Dinge sind in zwei Hälften geteilt, die
eine sind sie, die andere mein Name.
Am Anfang stand gar nichts aufrecht, kein Hochgebirge
ja, kein Traum/ es wäre für den Regen sinnlos gewesen
von oben zu fallen.
So regnete es eben aus den Falten der Erde.
Die Tropfen kamen vom Nordpol.
Man sehe sich mal eine Karte an.
Die Bildng des Reliefs und die des Menschen
verschob den Schwerpunkt der Erde.
Nun erheben sich die Wolken fallschirmgleich.
Trotzdem regnet's auch heute manchmal noch horizontal,
dann seh ich aus dem Fenster oder in die Geschichte:
Wer von uns geht wohl auf allen Vieren?
Und zwischen beiden ist ein breiter Platz, Platz zum
Laufen, zum Leben.
Und siehe, du bist in zwei Hälften geteilt, die eine bist du,
die andere dein Name.
Merkst du nicht manchmal, vielleicht im Traum, vielleicht
neben den Träumen, daß über deine Stirn fremde
Gedanken gezogen werden, über deine Hände andere
Hände?
Jemand hat dich erkannt einen Augenblick lang: dein
Name geht singend und schmerzhaft durch deinen Körper
wie der bronzene Klöppel durch die große Leere der Glocke.
Dieter Schlesak
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