Magazin | Mitglieder | Poesie | Malerei | Grafik | Fotografie | Videos | Musik | Shop | livedrawing
Benutzername

Passwort

Angemeldet bleiben
Passwort vergessen?

Noch kein Benutzerkonto?
Registrieren


Verhängnisvolle Entleerung
(1 vote)
 

von DieSusi,

views : 830


Du läufst durch die Nacht. Die Hände in den Taschen, blonde Strähnen auf der schwitzigen Stirn. Mit hängendem Blickt, lauschst der Leere im Kopf. Das enge Oberteil umspannt deinen kräftigen Körper. Die beißende Kälte des Herbstes, du spürst sie nicht. Laufen, einfach nur Laufen, der linke Fuß jagt den rechten. Hasten durch die Nacht, dieser Leere entkommen. Tunnelblick zum Boden. Hundescheiße, ausweichen und weiter, nur weiter. Das Geschwür nähert sich wieder. Weiter, rechts links, rechts links, weiter, du rennst. Sperrmüll am Straßenrand, ein alter Holztisch, ein Sofa. Jetzt nicht ruhen, weiter. Die Tanzbar, Rettung. „Drei Euro.“ Der Türsteher. Eine Wand aus schweißigem Rauch schlägt gegen dein pochendes Herz. Bewegen, du musst dich bewegen, es packt dich wieder. Körperdrehungen zum Takt. Der dumpfe Rhythmus durchfährt deine Glieder. Trockene Lippen, der Körper durstet, der Geist auch. Du tanzt dich wild. Deine Lider geschlossen, der dröhnende Klang füllt dich aus. Im grellen Rot der Musik, zwischen den puppenhaften Tanzmenschlein, blitzen ruckartig deine Glieder auf. Gerülpster Bierdunst kratzt in deinen Nasenlöchern doch dein Geist spürt nichts. Es ist ein Moment der körperlichen Reizüberflutung, Auslastung deiner fleischlichen Tarnung. Nur ein Atemzug der Ablenkung.

Tanzen, schneller. Dein Geist erhöht das Tempo, dein Körper auch. So drehst du dich rasant auf der Fläche. Noch einmal und wieder, die Zeigt schlägt gegen dein verzerrtes Lächeln. Noch schneller, alles abschütteln dann bist du zu müde, Tanz dich kaputt, tanz diesen Körper kaputt. Bebender Boden, du schüttelst es von dir. Diese Gleichgültige Gefühlsarmut, ein hungriges Geschwür. Es zerfurcht die Magenwand, nagt an Resten vom Vortag, lästige Reste. Du kannst es nicht abschütteln.

Dein Lächeln schwindet, deine Lider heben sich, ihr strahlendes Blau schreit gegen laute Regsamkeit. Herausgerissen beschaust du die tanzenden Leiber. Dein Körper zeigt nun keine Regung mehr. Und du begreifst: Da ist kein Gefühl, das in dir brennt, keine Leidenschaft, die dich begeistern lässt, da ist keine Seele, die dich belebt.

Die beschleunigten Schritte deiner zitternden Knochen treiben dich durch die Masse. Der  Ausgang. Tief graben sich deine Finger in die Taschen deiner Hose. Heißer Brechreiz kondensiert gegen die Feuchte der Nacht. Lauf weiter, rechts links, rechts links, Tunnelblick. Du durchquerst die Straßenbahnunterführung, nur Dreck, überall dieser Dreck. „Entschuldige… äh… entschuldigen Sie. Ich… äh, die Uhr, äh die Uhrzeit, kannst du, können sie mir sagen wie spät es ist?“ Der Typ spricht dich mit Sie an. Den Blick auf die Uhr, nennst du die korrekte Zeit 1:48 Uhr. Er kommt dir näher „Man kann hier nicht wohnen…“ Wieso quatscht der Dich eigentlich an, hat der nichts zu tun? Er stottert weiter „… ich meine… äh, vorhin sind die mir wieder aufgelauert,… und…“ Wieso latscht der neben dir her? „Wenn ich mit meinem Vater gehe dann lassen die mich in Ruhe, aber vorhin da haben die sogar Steine geworfen, diese Prolls. Sieht man mir denn gleich an, dass ich so bin?“

Kurzes Erstarren, der stechende Pfeifton in deinem Ohr brennt die Hörfrequenz aus. Du siehst nur Bewegungen, alles still, Stille mit einer hohen Frequenz an Schmerzen. Seine Stimme wird wieder zu hörbaren Geräuschen. „… man kann hier nicht wohnen, ich… wollte nur jemanden kennen lernen, deswegen… dahinten haben sie mal zwei Mädchen… äh… denen haben sie die Brieftaschen geklaut…“ Er überlegt, die runzelige Stirn verrät sein  fortgeschrittenes Alter. „Ich hab noch gesagt, sie sollen aufhören die Steine zu werfen, ich meine ich bin schon volljährig, wenn ich da zuhauen… äh… will nur sagen ich tu dir nichts…“. Er erinnert dich an D., gemobbt, Klebstoff im Haar, Blutergüsse am ganzen Körper. Du weißt nicht was aus D. dann geworden ist, ist dir auch gleichgültig. Leben heißt Selektion, nur der Stärkere siegt. Dieser Typ redet immer noch auf dich ein. „ …Und? Können wir das mal machen…?“, fragt er. Du blickst ihm direkt in seine müden, braunen Augen. „Na uns treffen und so reden, ganz freundschaftlich… weil ich Kontakte knüpfen will, wohn noch nicht lange hier, ja ich komme aus… Während er weiter seine Biografie erläutert, degradieren ihn deine Gedanken zu einem armen Irren. Dir gefällt die Vorstellung, dass dieser kleine Typ sinnlos durch die Dunkelheit rennt um sich Freunde zu fangen, sicher bist du nicht die einzige, die unfreiwillig geschwätzige Begleitung von diesem Fänger hat.

„Da gibt es ein Cafe`…“ Beharrlich läuft er weiter neben dir her. Dir reicht es jetzt. Er wird dich nicht fangen. Dein Gang verschnellert sich, biegt in die Seitengasse ein und lässt die Nachrufe des Fängers verhallen. Die nächste Einbiegung links dann weiter, du rennst über den großen Platz. Den selbst ernannten Freund bist du los.

Dein Körper schwitzt, dein Geist zittert. In deinem Magen jammert und klagt es, eine krampfende Wulst mit viel Appetit. Nun bist du wieder in der Unterführung. Dein Blick streift beschmierte Wände, welche wie Markierungen wirken. Du bist im Kreis gelaufen, Scheiße. Das Geschwür im Magen, es knurrt, es giert. Du passierst die Ecke, wo die erwartete Treppe nach oben führt und auf das Abendlicht trifft. Stufen hinauf, hinein in die gefräßige Dunkelheit. Zwei Stufen mit einem Satz. Die Mittleren. Du schaust nicht zur Seite, eine Ahnung befällt dich, das Geschwür lacht erwartend. Die Obersten.

Jetzt packt er dich am Arm, ein fettes, männliches Etwas, er lehnt an der schmierigen Mauer. Seine Linke massiert die offene Hose. Du schreist nicht, du wehrst dich nicht, entziehst dich nicht der niederen Wollust. Dein Blick ruht starr auf die Licht streuende Laterne. Sein Glied reibend, greift er lüstern nach dir. Die geweiteten Pupillen spiegeln sich im blitzenden Blau. Fetter Körper, schweißglänzende Stirn, panisch lüsterne Augen, begehrte Entleerung. Die Hand grabscht nach deinen vollen Brüsten „Und was denkst du, was ich jetzt mit dir mache?“ zischt es dem Grinsen hervor. „Meiner Vermutung zufolge wirst du mich jetzt ficken.“

SCHREIE­­ -

Gelber Dunst füllt die Küche. In der Pfanne spielt das brutzelnde Fett, es spielt mit dem unfertigen Spiegelei. Es spritzt, springt, tollt und brät genüsslich, belustigt hüpft es aus der Hitze und benetzt die Tageszeitung, welche du schon lang nicht mehr liest. Du solltest sie endlich abbestellen. Das Fett krabbelt über die Buchstaben. Unbekannter Mann tot aufgefunden. Die Gabel führst du zum Mund, das fettige Ei hinein und weiter. Das enge  Oberteil umspannt deinen kräftigen Körper und das Geschwür in deinem Magen fragt lächelnd: Hast du Lust zu tanzen?


   
Beitrag verlinken
Favorit
Drucken
unter to del.icio.us speichern

  RSS feed Kommentar
 

 


Name
Kommentar
 
99999
 
  This image contains a scrambled text, it is using a combination of colors, font size, background, angle in order to disallow computer to automate reading. You will have to reproduce it to post on my homepage
Tipp den Zweibuchstaben-Code ein:

   
   

Keine Kommentare vorhanden



mXcomment 1.0.9 © 2007-2009 - visualclinic.fr
License Creative Commons - Some rights reserved
< zurück   weiter >


MiculDejun
online
No Members Online.
• e-mails • Letzte Kommentare • sitemap • Impressum •Galerie Adam Ziege

 

 


© 2006-2008 artmovement - art on internet

myspace

 



Letzte Besucher: