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angekommen
(4 votes)
 

von svantje,

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ein schritt aus dem innern, das bahnhofsgebäude trägt ja immer noch den geruch unserer sitzenden müdigkeit damals, auf den zug wartend, matt und mau, und doch nichts weniger wollend als den zustand der zweisamkeit zu beenden.

nein nein, tritt heraus, sonne wartet. und stell dir vor, der grund deiner reise begrüßt dich sofort, allüberall schaut er dich an, lässt dich nicht aus seinen fängen. dann könnte die mutter anrufen, ein zerschlissenes wesen, was gerade beginnt, die letzten reste seines selbst auszukratzen. und dir vom sonnenaufgang erzählt, vom lohnenswerten weg zur arbeit, denn ein verschleierter zug von licht war die begleitung. bitter blitzt ein funke ins mark, soll die reise von mir zu dir eine so träge, so widerstrebende, so zögernde sein? ewig überformt vom matten glanz der gleichgültigkeit, überzeichnet von der schwäche der gleichheit?

traurig, wo bin ich nur, ich hab mich vergessen. und dann ein kurzer moment und die beschlagnahme beginnt. eine heilfrohe v. arbeit, termine, treffen, materialverkehr, gespräch, anspannung. menschen, die schimpfen und stressen, telefon. aber es geistert hier und will nicht aufhören zu beeindrucken. es war unsere stadt, deine hand war noch ganz nah bei meiner, keiner hätte geahnt, dass ich hier nun allein den prominenten begegne. bedrückend und befreiend, was ein elender zustand. wie können sie nur lachen, mich anschauen, bunt kleiden, blondgelockte babys haben? doch letztlich am abend ein aufatmen. ich staune still. komm, lass uns türkisch essen gehen. oh, türkisch kann mehr als döner und halloumi, kann mehr als fitzefatze hektische gesten und dudeltramborin. der abend will wundervoll werden, ich beginne zu flügeln, hübsche gedanken bevölkern wieder meine grauzerrotteten gedankenstränge. der dunkle heimweg höhnt dem halben mond, der meinen und eigentlich auch seinen kopf bethront.

die texte sind noch nicht fertig, da wartet noch eine neue bekanntschaft. sie kann fotografieren, sie weiß es nur noch nicht. und sie kann schwärmen. vom leben, den erfahrungen und lieben. sie erinnert sich, wie gut es tat, unterwegs zu sein, schon zug zu fahren ist ein genuss, den umraum schärfer wahrzunehmen, das dasein zu spüren. und sie hatte doch noch so viel vor, es gab natürlich überhängende verpflichtungen, aber die kamera, das auge, hände und geist waren doch noch zu viel mehr fähig. warum so schnell verheddert in alltäglichkeiten, in ärger und starrsinn, beengenden gedanken? warum so schnell die spur verloren, es sollte doch voll sein, das leben mit ihm, voll mit dem geliebten anderen. voll der gepflegten seelentierchen, voll der missachteten linien, voll der befreienden sicherheit im geborgenen. entstanden waren nur einbahnstraßen, gesäumt von splitternden bäumen der angst, hagelangriffe, immer mehr regenrinnen wurden überflutet, das wir war ins nirwana abgebogen und die liebe flüchtete immer geradliniger. verständnis lag vergewaltigt im graben, geschändet stand jede tat verloren auf einer kruste eiserner verhärtung. die straßen führten durch missgunst und misstrauen, und die benachbarten ortschaften unsicherheit und schwäche gegenüber den widerfahrenen erlebnissen. aus dem steten wind wurde ein eisiger, zuletzt sturm, ein orkan. ohnmächtige wut zerriss laut schreiend endgültig die leitung. diese gegend gehört nicht versorgt, sinnlos parasitisch genährt, sie zerstört jedes leben!

zum glück kam ein zug.

sechsundzwanziguhrdreißig öffnete sich der schlafsack. hüllte sie ein, übergab sie dem vertrauten duft, männlich und steinig, nach rauch und freiheit. der schlaf war beunruhigt über sein erscheinen. in diesem raum mit rauen wänden auf blanken dielen. ein cannapé aus milchweißer plaste goss sich einzig genau in dessen mitte. nebenan der seidige perser, filigran und leicht, beschwor die arabische lampe, endlich nacht zu gewähren. rohe balken wiesen der küche ihren platz und hängten metallenes rosa geschirr an die wand. das ledersofa sprach simple zigarrenweisen und huldigte dem chromglitzernden gasherd. schnell noch ins bad, den glaszylinder duschen, dunkelblau und weißlicht benetzt jeder tropfen den schauer.

nächtens erscheinen strenge frauengesichter auf dem putz, zwei menschen strecken sich küssend über die wand, ihre körper fließen zusammen ins nichts. drei stunden später beginnt ein tausendzweihundertminütiger arbeitstag, voll interviews, kameras, laufenden reden, schnell die listen, namen, köpfe. der rote teppich, höchste sicherheit, frau bundeskriminalamt, herr presse, frau trockendürr und herr köhler. israelis, buchenwald, französcher kz-überlebling, ein kleiner gutäugiger mann. händchenhalten, aufmuntern, runterfahrn, hochfahrn. zum schluss der goldene empfang, russischer hof und hotel elephant. oh, atmen nicht vergessen, ein junger spross der sojabohne ziert dreiviertel gramm shrimps, doch der wein ist teuer und rot. frauen schmerzen die füße, verflossene lieben erscheinen plötzlich im film, die nacht wird ungewiss. sie nimmt die chefschlüssel in, deren arbeit um und die ertrunkene kollegin an die hand. gehört und ungehört verläuft die nacht. neunundzwanziguhr fünf sind ihre augen wieder geöffnet, zwanzig minuten später öffnet sie ihr die tür, eine stunde zukunftsgespräch und wieder beginnen drucker, wörter, papiere, sprachfetzen, telefonhörer ihren tanz. die nächste pressekonferenz erscheint, die liste fehlt, nimm das auto, fahr durch eine fremde stadt und finde schnellstens dein gesicht. es muss hier irgendwo liegen, so kann das doch nicht bleiben, so hat das doch alles keinen sinn.

sie musste ihrem telefon den mund verbinden, es begann sich zwischen sie und ihr leben zu zwängen, eigentlich sind die beiden eins. und dieses eine forderte, geliebt zu werden. so wie es war. wollte kritisch beäugt werden und bestehen, wollte gekitzelt, gezärtelt, genagt werden, wollte gewollt werden. und sich teilen, mitteilen, zerteilen, aufteilen, zweiteilen irgendwann. und als eines mit dem anderen, denn das andere zeigte sich auch, als wollte es als eines mit dem anderen zusammenwachsen. zusammen wachsen. und aus dem zusammen sollte dann neues wachsen. natürlich, frei und farbenfroh.

verzagt ließ der tag langsam die flügel hängen.


was soll nun werden


   
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1 von 1

von: aki 22-10-2008

schön...wunderschön... 
vollkommenheit im detail! 
der text gefällt mir sehr, hoffentlich gibt es mehr davon? 
willkommen bei artmovement:-)

 

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