schwer ist’s neuerdings. und kein
verstehen. wo ist die zeit, die wir nicht zusammen durch die nacht gingen, den
mond von seinem sockel holen, in schaufenstern lümmeln, einen plastebecher voll
sekt, ein abend zweier diven.
deine küche ist noch nicht fertig
renoviert, das leben war sehr launisch, hielt dem neue und alte begegnungen
entgegen. menschen, katzen und abertausende ideen. und kräuterpflanzenzucht auf
balkonien. ein heimelig anmutendes unterfangen. wozu nur der alte krampf mit
der erziehung, warum dieser alpdruck im innern, all das führt ins nichts, wie
das leben selbst. die angeknabberte seele scheut sich, dich gehen zu lassen.
leise, ein krokus, ein
zartlilafarbener, der sich unter einem kiefernstrauch ausstreckt, erklärte den
beginn und bestand unseres bündnisses. lila, der letzte versuch. warum musst du
das so wörtlich nehmen. der letzte versuch des weiblichen. der inbegriff
dessen. darum gehst du? mitten im akt? alle wollen wissen, wie's ausgeht, und
du gehst? stehst nicht mal auf. bleibst einfach liegen. liebenliegen. liegenblieben.
dem mann muss der schwanz erfroren sein in deiner eisig werdenden höhle. warum?
überall kann man dir begegnen.
mit deinem klapprigen rad, wo sich die straßenbahnen versammeln. deine
schwarzweiße plastetasche in diesem lächerlichen korb auf deinem gepäckträger.
eine rolle grünen papiers ragt an der linken seite in den verkehr.
wann hast du dich entschlossen,
zu gehen? mittendrin. gerade dann.
da war tinte in deine haut
geritzt, ganz dicht neben mir. dann ein wiedersehen im selben kleid im
dachgeschoss. die sonne, frühstückstrunken, die wir nie gemeinsam sahen.
katzenliebe teilten wir,
schwarze. rinde von korkenzieherweide. blutrote blumen, deren saft die blätter
nebenan tränkte.
und dann das makaberste von allem:
ich lerne deine freunde kennen. deine kleinen eltern, die noch kleinere oma,
onkel, tanten – wer weiß, wer sie alle waren.
die fassungslosigkeit im kaffee
ersäuft, mit unmengen belegter brote erstickt. ich hätte meine trauer lieber
auf den grund eines cognacglases gelegt. in den schoß der vielen strähnen
dünnen hellen haares, das ich dir oft abschnitt. in deine hände, die du immer
so seltsam knacksen ließest mit einer unnatürlich nach innen gewandten drehung.
die umarmung am müllplatz in
dieser ungestimmten, deiner letzten nacht. eine menge von zwischentönen, von
schaurigen lauten zwischen den tönen, die ich nicht verstand. die du nicht
verstandst.
und nun? zwei jahre oder zwanzig.
nichts wird sich klären.
|
|
|